KATZENLEXIKON - ZUCHT

Wo liegt der Unterschied zwischen einer Hauskatze und einer Rassekatze? Bastarde wie in der Hundezucht kommen bei den Katzen nicht vor; es kommen nur Hybriden beziehungsweise Hybridrassen vor. Selbst die Kreuzung zwischen einer superschlanken Siamkatze und einer schweren Perserkatze sieht der Europäisch Kurzhaar Katze sehr ähnlich. Die Kreuzung zwischen Dackel und Schäferhund hingegen sieht keiner Hunderasse ähnlich. Alle Rassekatzen sind also Hauskatzen und alle Hauskatzen sind Rassekatzen. Woher kommt diese Unterscheidung in gemeinen Hauskatzen und Edelkatzen? Bis ins 19. Jahrhundert hinein beschrieben Naturbeobachter der Hauskatze nur negative Eigenschaften wie diebisch, lieblos und hinterlistig zu. Edelkatzen hingegen wurden wegen ihrer Sanftmütigkeit gelobt. Buffon (1707–1788) fand beispielsweise wenig Gutes an der normalen Hauskatze, gab aber Tipps für die Zucht von Kartäuser, Perser und Angorakatzen. Noch heute gelten Rassekatzen als anhänglicher, häuslicher, ruhiger und intelligenter als Hauskatzen. Doch Hauskatzen sind weder untreu noch dumm. Die Hauskatzen kommen in allen Farbkombinationen, Augenfarben und in allen Felllängen vor. Rassekatzen sind Generationen lang auf ein bestimmtes Aussehen, Fellmuster und Verhalten hin selektiert worden.

Züchtung
Die Katzenzucht erfordert Geduld und gute Tierkenntnisse wie auch solide Kenntnisse der Vererbungslehre, wobei die Eigenwilligkeit und das Einzelgängertum von Katzen systematischen Zuchtversuchen entgegensteht. Um gesunde schöne Tiere zu erhalten, dürfen ihre Eltern keine vererbbaren Gesundheits- oder Schönheitsfehler haben. Die Zucht mit Katzen, welche erhebliche gesundheitliche Defekte vererben, stellt in Deutschland einen Verstoß gegen § 11b TSchG dar. (Im Gutachten Katzen-Qualzucht mussten viele Punkte gestrichen werden. Was Qualzucht ist oder nicht ist zur Zeit nicht definierbar.) Die meisten Vereine oder Verbände lassen nur „standardgemäße“ Katzen zur Zucht zu, welche auf einer Ausstellung in der offenen Klasse mindestens einmal die Formnote „vorzüglich“ erhalten haben. Die Rassestandards werden durch internationalen Dachverbände wie FIFe, WCF, GCCF, CFA, TICA, denen nationale Zuchtvereine angeschlossen sind, verbindlich festgelegt, können sich aber je nach Dachverband geringfügig unterscheiden. Die Katzenzucht hat und bringt immer wieder eine ganze Reihe von Katzenrassen hervor. Diese neuen Rassen sind dann bei den unterschiedlichen Dachverbänden zugelassen – oder auch nicht. Vorreiter bei der „Neuzulassung“ sind meist die amerikanischen Verbände wie TICA und die CFF, weniger die konservativeren Europäer. Manche Perserkatzen mit ihrer deformierten Nasen- und Mundpartie haben z. B. oft Atemprobleme, schnarchen und haben Mühe, ihr Fressen aufzunehmen.Außerdem sind durch die platte Nase die Tränenkanäle abgedrückt, sodass ihre Augen ständig tränen. Daneben stellt die erbliche zystische Nierenerkrankung (polycystic kidney disease, PKD) bei dieser Rasse ein ernstes Problem dar. Bei der Maine Coon tritt in den sogenannten Showlinien häufig HD auf.

Erster Grundsatz der Katzengenetik
Die Katzengenetik kennt grundsätzlich nur zwei Farben: Schwarz Eumelanin und Rot Phäomelanin. Grundlage dieser Farben ist die Form der Pigmente. Diese können durch verschieden Modifizierer in andere Farben übergehen. So leitet sich von der Farbe Schwarz (black) die Farben schokolade (chocolate) und die Zimtfarbe (cinnamon) ab. Durch das Verdünnungsgen (maltese dilution, Abk. dd) verwandelt sich schwarz in blau (blue, die Farbe der Kartäuserkatze), chocolate in lilac (oder lavendel oder frost), cinnamon zu fawn und rot (orange) zu creme (cream). 1974 wurde ein weiteres Verdünnungsgen entdeckt, der Verdünnungs-Modifikator (Dilution modifier, Abk. Dm). Dieser verändert die Farben Blau, Lila und Fawn zu Caramel und Creme zu Apricot. Zusätzlich gibt es die „Nichtfarbe“ Weiß. Hier fehlt im Haar schlicht jegliches Pigment. Gerade bei den weißen Katzen gilt jedoch die Aussage bezüglich genetischer Defekte: Aus Tierschutzgründen lassen seriöse Züchter ihre weißen Katzen vor Zuchtbeginn auf Taubheit testen (Audiometrietest (Hörtest). Kater können entweder schwarz oder rot sein, also einfarbige Tiere (von Weiß einmal abgesehen, damit sind sie zweifarbig), Kätzinnen können bis zu drei Farben haben (inklusive Weiß) und werden dann manchmal als Glückskatze oder Spanische Katze bezeichnet. Ausnahmsweise können auch Kater zwei-/dreifarbig sein; es handelt sich dann um eine genetische Anomalie, da ein solcher Kater die Chromosomenkombination XXY hat. Diese Tiere sind gesund, gewöhnlich aber nicht fortpflanzungsfähig.

Vererbung der Fellfarben Schwarz und Rot
Vater: schwarz x Mutter schwarz oder Vater blau x Mutter schwarz oder Vater schwarz x Mutter blau
Jungtiere: Männlich: schwarz, blau; Weiblich: schwarz, blau
Vater blau x Mutter blau
Jungtiere: Männlich: blau; Weiblich: blau
Vater rot x Mutter rot oder Vater creme x Mutter rot oder Vater rot x Mutter creme
Jungtiere: Männlich: rot, creme; Weiblich: rot, creme
Vater creme x Mutter creme
Jungtiere: Männlich: creme; Weiblich: creme
Vater rot x Mutter schwarz oder Vater creme x Mutter schwarz oder Vater rot x Mutter blau
Jungtiere: Männlich: schwarz, blau; Weiblich: schildpatt, blau creme
Vater creme x Mutter blau
Jungtiere Männlich: blau; Weiblich: blau creme
Vater schwarz x Mutter rot oder Vater blau x Mutter rot oder Vater schwarz x Mutter creme
Jungtiere: Männlich: rot, creme; Weiblich: schildpatt, blau creme
Vater blau x Mutter creme
Jungtiere: Männlich: creme; Weiblich: blau creme
Vater schwarz x Mutter schildpatt oder Vater blau x Mutter schildpatt oder Vater schwarz x Mutter blau creme
Jungtiere: Männlich: schwarz, blau, rot, creme; Weiblich: schwarz, blau, schildpatt, blau creme
Vater blau x Mutter blau creme
Jungtiere: Männlich: blau, creme; Weiblich: blau, blau creme
Vater rot x Mutter schildpatt oder Vater creme x Mutter schildpatt oder Vater rot x Mutter blau creme
Jungtiere: Männlich: schwarz, blau, rot, creme; Weiblich: rot, creme, schildpatt, blau creme
Vater creme x Mutter blau creme
Jungtiere: Männlich: blau, creme; Weiblich: creme, blau creme

Zweiter Grundsatz der Katzengenetik
Der zweite Grundsatz der Katzengenetik lautet: Alle Katzen haben TABBY, aber einige Katzen sind Non-Aguti. Das Wort Tabby wurde wahrscheinlich vom Namen der alten Seidenweberstrasse in Bagdad „Atab“ abgeleitet. Bei Katzen bedeutet dies das Fellmuster oder Zeichnung. Es gibt getigerte, gestromte, gepunktete Katzen. Auch die einfarbige Katze wie die blaue Kartäuser hat eine Zeichnung, die aber von dem Non-Aguti Gen (Abk. aa) maskiert wird. Bei roten oder orangefarbenen Katzen wirkt das Non-Aguti nicht. Deshalb zeigen orangefarbene Katzen oft eine Geisterzeichnung