VOGELGRIPPE
Quelle: Wikipedia, Stand: März 2006

ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Viruserkrankung der Vögel, hervorgerufen durch Influenzaviren. Der Begriff Vogelgrippe ist unscharf. Damit wird einerseits der in der veterinärmedizinischen Literatur und in der Tierseuchengesetzgebung verwendete Begriff Geflügelpest oder in der englischsprachigen Fachliteratur HPAI (high pathogen avian influenza = hochpathogene aviäre Influenza) gemeint. Daran sterben Vögel. Damit kann aber auch LPAI (low pathogen avian Influenza = niedrigpathogene aviäre Influzena) gemeint sein, ein grippaler Infekt von Vögeln. In jüngerer Zeit wird der Begriff „Vogelgrippe“, allerdings meist im populärwissenschaftlichen Gebrauch, zunehmend nur für jene Unterform dieser Erkrankung verwendet, die durch den Virus-Subtyp Influenza A/H5N1 verursacht wird. Wie alle anderen durch Influenzaviren verursachten Geflügelkrankheiten ist die Vogelgrippe eine anzeigepflichtige Tierseuche. In Einzelfällen sind die Viren in den vergangenen Jahren auch auf Säugetiere und auf Menschen übertragen worden, die Erkrankung ist also eine Zoonose. Das Virus Influenza A/H5N1 besitzt 12 Proteine. Der Durchmesser des Virus liegt bei etwa 100 Nanometer. Insgesamt besteht es aus 14.000 genetischen Bausteinen. Zum Vergleich: Der Mensch verfügt über 3,2 Milliarden genetische Bausteine. Der Erhalt der Infektionsfähigkeit des Erregers ist in der Außenwelt nicht sehr hoch, schon intensives, zehnminütiges Händewaschen mit gewöhnlicher Seife wird von der FAQ als ausreichend für eine Desinfektion beschrieben. Jedoch kann das Virus, geschützt durch organisches Material wie Körpersekrete, Kot und Ähnliches, in Tierställen und insbesondere bei niedrigen Temperaturen einige Wochen überstehen. Infektiös bleiben die Viren bei 4 °C zum Beispiel ca. 30 - 35 Tage in Kot, Geflügelfleisch oder gelagerten Eiern, bei 37 °C hingegen nur 6 Tage. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Viren nicht mehr infektiös, wenn sie Temperaturen über 70 °C ausgesetzt wurden, so dass eine Übertragung über durchgegarte Eier, Geflügel- und andere Fleischprodukte als ausgeschlossen gilt. Bei der Übertragung von Tier zu Tier beobachtet man grundsätzlich die gleichen Infektionswege wie bei anderen Influenzaviren: die Viren verbreiten sich über Kotpartikel sowie beim Schlachten über Blut, daneben auch über Kleidung und Arbeitsgeräte.

Vogelgrippe bei Katzen
Im Februar 2004 berichtete die WHO erstmals über einen H5N1-Ausbruch unter Katzen. In Nakornpathom (Indonesien) waren in einem Privathaushalt 14 von 15 Katzen plötzlich gestorben, in 2 von 3 getesteten Kadavern hatte man das Virus nachweisen können. Ebenfalls im Jahr 2004 zeigte das Team um Albert Osterhaus, Virologe an der Erasmus-Universität in Rotterdam, dass infizierte Katzen die Viren auf andere Katzen übertragen können. Aus Thailand wurde im Jahr 2004 berichtet, dass in zwei Zoos mehrere Tiger, Leoparden und Hauskatzen nach dem Verzehr von infiziertem Geflügel an A/H5N1 starben. Ende Juni 2005 starben in Vietnam, im 120 km südlich von Hanoi gelegenen Cuc Phuong National Park, drei Schleichkatzen (Hemigalus owstoni) an den Folgen einer H5N1-Infektion. Im Januar 2006 wurde ferner eine junge Katze, die man in der Nähe eines H5N1-Ausbruchs unter Geflügel in Cipedang (West-Java) aufgegriffen hatte, von den in Indonesien tätigen US-Medizinern positiv auf H5N1 getestet. Diese Virusvariante wies genetische Merkmale auf, die man aus Virusisolaten von infizierten Menschen aus Indonesien kannte, unterschied sich aber von jenen Varianten, die bis dahin aus Vögeln isoliert worden waren. Albert Osterhaus wurde in der Zeit vom 19. Januar 2006 zitiert, dass A/H5N1 Hunde, Pferde, Pumas, Tiger und Leoparden infiziert habe, im Tierversuch auch Mäuse, Frettchen, Affen und Hauskatzen. Der Virologe publizierte Anfang 2006 eine Studie, für die man Katzen mit A/H5N1 infiziert hatte. Nach deren Tod sei festgestellt worden, dass nahezu alle inneren Organe von den Viren befallen waren, so dass auch Leber und Nieren versagt hatten. Festgestellt wurde ferner, dass infizierte Katzen die Viren sowohl über die Atemwege als auch im Kot in beträchtlichem Maße ausscheiden können. Am 2. März 2006 wurde erstmals in Europa die Infektion einer Katze mit der hoch pathogenen Asia-Variante von A/H5N1 nachgewiesen. Das Tier war am 28. Februar tot auf der Insel Rügen in der Nähe der Wittower Fähre gefunden worden. Zwei weitere H5N1-Infektionen bei toten Katzen aus dem gleichen Gebiet wurden am 7. März bekannt. „Eine theoretisch nicht auszuschließende Ansteckung des Menschen kann vermutlich nur bei sehr innigem Kontakt mit infizierten Tieren erfolgen“, erklärte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Allerdings können sich Katzen untereinander infizieren. Das FLI empfiehlt daher Katzenbesitzern in den von H5N1-Infektionen betroffenen Gebieten, auf eine besondere Hygiene zu achten. Bei Anzeichen von schweren Erkältungen bei Katzen, die Freilauf in Gelände hatten, in denen H5N1 infizierte Vogelkadaver gefunden wurden, sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Das FLI hat Empfehlungen für Tierärzte erstellt, die auf der Homepage des FLI abgerufen werden können. Am 6. März 2006 gab der steirische Agrarlandesrat bekannt, dass der Speichel von drei Katzen in einem Grazer Tierheim wiederholt positiv im Labor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) befundet wurde. Dabei handelt es sich um jenes Tierheim, in welches der erste in Österreich infizierte Schwan gebracht und später der gesamte Federviehbestand getötet worden war. Laut Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hatte man bei 40 Katzen aus einem Gehege, das an das Gehege der infizierten Vögel angrenzte, bei einem Routinetest Speichelproben entnommen. Nach wenigen Tagen sei das Virus aber bei keiner der 40, also auch bei keiner der drei zuvor infizierten Katzen, nachweisbar gewesen. Alle 170 Katzen des Tierheims sollen nun genau beobachtet werden, ob sie erkranken oder Virusträger sind. Die Viren seien wahrscheinlich durch Futter oder Exkremente übertragen worden, sagte der Direktor der steirischen Tierschutz-Behörde, Peter Wagner. Tests für die übrigen 130 Katzen stehen noch an. Unklar blieb zunächst, wie das Verschwinden der Viren zu erklären ist. Vermutet wurde, dass die Katzen entweder in der Lage waren, die Vermehrung der Viren zu stoppen oder dass die Tests falsch positiv waren.

Risikolage für Menschen im Jahr 2006
Das Risiko für Menschen, an einer H5N1-Infektion zu erkranken, ist zur Zeit weltweit äußerst gering. Insbesondere die Zahl der von der WHO registrierten Todesfälle muss im Verhältnis zum Risiko, an den Folgen einer "gewöhnlichen Humaninfluenza" (echten Virusgrippe) zu sterben, betrachtet werden. Laut amtlicher deutscher Todesursachenstatistik sterben pro Jahr allein im Bundesgebiet bis zu 20.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit Humaninfluenza-Viren. Seit geraumer Zeit hat die WHO dem Erreger A/H5N1 unverändert die Pandemie-Warnstufe 3 zugeordnet, das heißt den Beginn der Alarmphase, der dadurch definiert ist, dass die Viren in seltenen Einzelfällen von Tieren auf den Menschen übergegangen sind. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Februar 2006 zum wiederholten Male darauf hingewiesen, dass es bisher keine Anzeichen gebe, dass das Virus leichter als zuvor von Mensch zu Mensch übergeben könne. Viele Experten befürchten allerdings, das Vogelgrippevirus könne sich mit einem Erreger der Humangrippe kreuzen. Dies wäre prinzipiell möglich, wenn zum Beispiel Schweine oder Menschen gleichzeitig mit A/H5N1 und einem Erreger der Humangrippe (zumeist A/H1N1 oder A/H3N2) infiziert sind. Auf diese Weise könnte ein neuer Virussubtyp mit veränderten Eigenschaften entstehen. Denkbar wäre dann, dass dieser neue Virustyp leichter von Tier zu Mensch oder gar von Mensch zu Mensch übergehen könnte. In einem solchen, derzeit rein hypothetischen Fall, würde eine Pandemie drohen, wenn seine Ausbreitung nicht unterbunden werden kann. Da zum Beispiel auch in Enten der Subtyp Influenza A/H1N1 nachgewiesen wurde, u.a. A/Duck/Alberta/35/76 (H1N1), muss auch Geflügel als potentielle Quelle für einen Genaustausch von Vogelgrippe- und Humangrippeviren gelten. Als grundsätzlich möglich gilt aber auch ein massiver unmittelbarer Übergang von Influenzaviren der Vögeln auf den Menschen, sofern es bei den Viren zuvor zu bestimmten Veränderungen in ihren Erbanlagen gekommen ist. Gestützt wird diese Befürchtung durch Ergebnisse US-amerikanischer Forscher, die im Herbst 2005 den Erreger der spanischen Grippe A/H1N1 rekonstruierten. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler legten nahe, dass das von ihnen rekonstruierte Virus H1N1 unmittelbar von einem Vogelgrippe-Virus abstammte und die Fähigkeit entwickelte, den Menschen zu befallen. Die Spanische Grippe sprang diesen Forschern zufolge also nicht nach einer Reassortierung („Kreuzung“) mit Humangrippeviren über, sondern nach wenigen (ca. 10) Mutationen. Seitdem das bekannt wurde, wird das Risiko für eine neuerliche Grippe-Pandemie deutlich höher eingestuft. So erklärte beispielsweise Reinhard Kurth, der Präsident des Robert Koch-Instituts, am 18. August 2005 in der FAZ: „Die Gefahr einer Pandemie ist real und das Risiko derzeit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr." Im Januar 2006 ergänzte Kurth: „Das Virus mutiert sehr schnell." Das Institut geht Kurth zufolge in seinen Planungen für den Pandemie-Fall davon aus, dass bei mittelschwerer Pathogenität des Erregers ca. 30 Prozent der Bevölkerung an der Virusgrippe erkranken. Ende März 2006 wurde in der Fachzeitschrift Nature eine Untersuchung von japanischen und amerikanischen Wissenschaftler um Kyoko Shinya von der Universität Wisconsin in Madison, USA, veröffenlicht, die erklären soll, warum bisher die Übertragung von Mensch zu Mensch noch nicht auftritt. Anders als herkömmliche Grippeviren, die sich in den oberen Atemwege festsetzen, befällt das aggressive Vogelgrippevirus vor allem die unteren Atemwege. Es nistet sich dabei in den Lungenbläschen ein. Eine Verbreitung des Virus von Mensch zu Mensch durch Husten oder Niesen würde dadurch erschwert, obwohl sich der Erreger in der menschlichen Lunge gut vermehren könne. Sollten die Viren die Fähigkeit erlangen die oberen Atemwege zu besiedeln, würde die Wahrscheinlichkeit eine Pandemie zunehmen können.

Allgemeine Empfehlungen zum Infektionsschutz für Menschen
Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat auf seiner Internetseite Empfehlungen für Einsatzkräfte veröffentlicht, die mit der Beseitigung infizierter Tiere befasst sind. Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem direkten Kontakt mit einem infizierten Tier oder dessen Ausscheidungen kommen, sollten einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zufolge "die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden und verschmutzte Kleidungsstücke in der Waschmaschine gereinigt werden. Auch wenn das Risiko einer Vogelgrippeerkrankung extrem gering ist, sollte bei Grippesymptomen ein Arzt zu Rate gezogen werden."
Das Robert Koch-Institut (das auch eine telefonische Hotline für Fragen zur Vogelgrippe eingerichtet hat) hat ferner Empfehlungen herausgegeben, falls das Virus tatsächlich massiv auf den Menschen übertreten sollte. Sollte es hierzu kommen, sind Personen, die in engem Kontakt zu kranken Tieren stehen, gesetzlich dazu verpflichtet, bestimmte vorgeschriebene Schutzmaßnamen zu ergreifen; es gibt hierfür einen Bundesmaßnahmenkatalog. Als sinnvoll ausgewiesen werden geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Schutzbrille und insbesondere Mundschutz. Das amerikanische CTNSP („Center for Technology and National Security Policy“) empfiehlt auf seiner Homepage: Mundschutz mit N 95 Masken; regelmäßiges Händewaschen; Wohnung sauber halten und reinigen; Menschenmassen meiden