WIE DIE KATZEN DAS SCHNURREN BEKAMEN
Katzenmärchen, Quelle unbekannt Es war einmal ein König und eine Königin, die wünschten sich sehnlichst eine Tochter. Sie hatten die Hoffnung beinahe schon aufgegeben, da gebar die Königin eine wunderschöne Tochter und das Königspaar war das glücklichste Paar auf Erden. Aber eine Sache bereitete ihnen grossen Kummer. Für ein paar Lebensmittel aus der Königsküche hatte einst eine alte Hexe in ihre Zukunft geblickt und warnte sie: „Sie tragen eine Tochter. Ihre Tochter wird stark und gesund. Aber sie wird tot umfallen, an dem Tage, an welchem sie einem Prinzen ihre Hand gibt. Seid gewarnt! Findet drei reine weisse Katzen ohne ein weisses Haar und lasst sie zusammen mit eurer Tochter aufwachsen. Gebt den Katzen Spielbällchen. Spielbällchen aus purem Gold und Spielbällchen aus Leingarn. Wenn die Katzen die Goldbällchen nicht beachten und mit dem Leingarnbällchen spielen, dann wird alles gut. Sollten die Katzen aber mit dem Goldbällchen spielen, dann hütet euch!!“ Die Hexe trieb die Königin in den Zorn! Der König wurde böse und verbannte die Hexe aus seinem Land. Doch die Warnung der Hexe lag schwer auf dem Herzen des Königspaars! Der König schickte einen Gesandten ins Land. Er brachte ihm viele Katzen! Kartäuser Katzen, Kurzhaarkatzen, graue Katzen, getigerte Katzen, schwarze Katzen. Der König schickte alle Katzen wieder weg, der er war wollte nur drei reine weisse Katzen ohne ein weisses Haar. Nach vielen Jahren wurden dem König drei reine weisse Kätzchen ohne ein weisses Haar geschenkt. Die drei Kätzchen kamen aus verschiedenen Häusern und wurden gute Freunde. Die Katzen liebten ihre Prinzessin und beteten sie an. Jahre vergingen, die Kätzchen spielten vergnügt mit den Leinenbällchen. Die Goldbällchen fanden keine Beachtung und wurden mit der Zeit vergessen. Als die Prinzessin alt genug war, das Spinnrad zu erlernen, waren die Katzen so glücklich wie die Prinzessin es war. Sie sprangen gegen das Rad, als es sich drehte, und griffen nach dem Faden, als ihn die Prinzessin spann, sie benahmen sich wie junge Kätzchen. Sie bat die verspielten Katzen, die Sachen in Ruhe zu lassen, aber sie ignorierten sie und spielten fröhlich weiter. Die Königin war überglücklich, dass die Kätzchen nur mit den Leinenbällchen spielten und nie mit den Goldkugeln, so setzte sie sich entspannt auf den Thorn und lachte. Als die Prinzessin 16 Jahre alt war, war sie ein wunderschönes Mädchen! Prinzen aus allen Nachbarländern und von her kamen ins Königreich und hielten um ihre Hand an. Doch keiner vermochte ihr Interesse zu wecken. Die Prinzessin hatte nur Augen für ihre drei süssen Kätzchen. Doch eines Tages kam ein Prinz. Er war jung und schön, charmant, klug und tugendhaft. Die Prinzessin verliebte sich in den Prinzen. Er hat sie oft besucht und brachte ihr Geschenke mit, aber er hielt nie um ihre Hand an. Eines Tages wollte die Prinzessin nicht mehr warten und gestand dem Prinzen ihre Liebe, und der Prinz erwiderte diese. Die drei Kätzchen spielten im Schlossturm vergnügt mit den Leinenbällchen. Doch kaum gestanden Prinz und Prinzessin ihre Liebe, so bemerkten die Kätzchen zum ersten Mal die Goldbällchen und begannen mit diesen zu spielen. Mit Entsetzen berichtete der Diener an die Königin und den König. Die Prinzessin blieb gesund. Aber der Prinz erkrankte sehr schwer, und kein Arzt des Landes konnte ihn retten. In ihrer Verzweiflung suchte die Prinzessin die alte Hexe auf, die einst ihr Vater vom Land verbannen liess. Die Hexe prophezeite ihr, dass es nur einen einzigen Weg gäbe, den Prinzen zu retten. Die Prinzessin musste noch vor der Wintersonnenwende zehntausend Stränge aus reiner weisser Leine spinnen. Doch das würde der Prinzessin nie gelingen, es dauerte nur noch 27 Tage bis zur Wintersonnenwende. Keine andere Hand durfte das Spinnrad drehen, und würde sie einen Strang zuviel oder zuwenig spinnen, würde der Prinz bei der Wintersonnenwende sterben. Die Prinzessin wusste, dass sie das in so wenigen Tagen niemals schaffen würde und brach in Tränen aus. Ihre drei Kätzchen sassen vor ihr und haben sie getröstet. ‚Wenn ihr das bloss gewusst hättet. Ich weiss, ihr würdet mir helfen wenn ihr könntet’ und die Kätzchen legten sich still vor ihre Füsse. Zu ihrer Verwunderung legte eines der Kätzchen ihre Pfote auf ihr Knie und sprach: ‚Wir wissen was passiert ist und wir wissen wie wir helfen können. Katzen haben keine Hände, wir haben Pfoten. Wir können für Dich spinnen und das Rad drehen und werden uns an die Bedingungen der Prophezeiung halten. Nun müssen wir an die Arbeit, es bleibt nur wenig Zeit.’ Und so war es. Die Kätzchen begannen zu spinnen, jede an einem Spinnrad. Jeder Strang war sehr schön. Jeden Tag haben sie am Spinnrad gesponnen und wenn der Abend einbrach, kam die Prinzessin und sah ihre drei Kätzchen neben hunderten von Strängen schlafen. Und jedes Mal, wenn ein neuer Strang fertig war, fühlte sich der Prinz ein wenig besser. Am Tag vor der Wintersonnenwende waren die Kätzchen fertig und hatten alle zehntausend Stränge gesponnen. Die Zigeunerin war erstaunt und das Werk der Katze gefiel ihr, obwohl sie um eines ihrer Leben betrogen worden war. Sie ermahnte die Prinzessin, sicher zu stellen, dass ihre treuen Katzen ihre Dankbarkeit sehen würden. Die Prinzessin liebte ihre Katzen sehr und schenkte ihnen all ihre glitzernden Juwelen, mit welchen sie immer spielten. Am Hochzeitstag bekamen die drei Kätzchen einen Ehrenplatz auf schönen Samtkissen, jede Katze trug ein schönes Halsband mit funkelnden Edelsteinen. Während der Festlichkeiten rollten sich die Katzen zufrieden in ihr Samtkissen und – wie Katzen zu tun pflegen – schliefen ein. Alle drei Kätzchen haben zufrieden und laut geschnurrt. Das war die Belohnung für ihre Arbeit. Obwohl nie wieder eine Katze sprechen konnte, so würden alle Katzen schnurren wie das Schnurren und Brummen eines Spinnrades. Seit diesem Tag schnurren alle Katzen, wann immer sie zufrieden sind. |
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