GEDICHTE FÜR DIE KATZ

Die Katzen
Charles Baudelaire

Die toll Verliebten und die strengen Weisen
Verehren, wenn die Kraft und Jugend schmolz,
Die Katzen sanft und stark, des Hauses Stolz,
Die fröstelnd, so wie sie, den Herd umkreisen.

Die, so wie sie, Weisheit und Sinnenglut
Und Dunkel lieben, Nacht von Grau'n durchflossen,
Die sich der Orkus hätt' erwählt zu Rossen,
Stünd' seinem Dienst zu Kauf ihr stolzes Blut.

Sie gleichen Statuen, wenn sie sinnend kauern,
Den großen Sphinxen in der Wüste Schauern,
Die ewig dämmern an des Traumes Rand.

Aus ihren Lenden magische Funken sprühen,
Und wie besternt von feinem goldnen Sand
Scheint ihres rätselvollen Auges Glühen.
Die Katze
Charles Baudelaire

Komm an mein liebreiches Herz, schöne Katze,
Verbirg die Klauen der Tatze
Wenn mein Auge naht
Dem Deinen gemischt aus Metall und Achat! Wenn meine Finger mit Muße schmeicheln
Dem biegsamen Kopf und Rücken
Und bebt meine Hand im Entzücken
Den funkenstiebenden Körper zu streicheln, Dann seh ich im Geist eine Frau: ihr Blick
Gleicht Deinem, freundliches Tier,
Trifft wie ein Pfeil und ist tief und hell. Es schwimmt vom Fuß zum Genick
Ein feiner gefährlicher Odem Dir
Rings um das braune Fell.
Die Katze und die Maus
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Einst spielte eine Katze
Mit einer kleinen Maus.
‚Lauf Mäuschen!’ sagte sie,
und warf die scharfe Tatze
Liebkosend nach, ließ auf und nieder
Sie laufen, fing sie wieder
Und sah vergnügt und freundlich aus.
‚Ach, liebe Katze!’ sprach die Maus,
‚Ich kenne diese Schmeicheleien
Und diese Scherze; ach! sie dräuen
Mir armem Mäuschen bittern Tod!’
‚Was?’ sprach die Katze, ‚das ist Spott!’
Und biß sie tot!
Für die Katz
Erich Kästner

Wenn der Hufschmied den Gaul beschlägt,
wenn sich der Truthahn im Traum bewegt,
wenn die Mutter das Essen aufträgt,
wenn der Großvater Brennholz sägt,
wenn der Wind um die Ecke fegt,
wenn sich im Schober das Liebespaar regt,
wenn das Fräulein die Wäsche legt –
stets meint die Katze, man wollt mit ihr spielen!
Wie der Katze geht's vielen.
Die Schwarze Katze
Rainer Maria Rilke

Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle,
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:

 wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.

 Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.

Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensterne unerwartet wieder:
 eingeschlossen wie ein ausgestorbenes Insekt.
Leih mir ein kleines Kätzchen
Rainer Maria Rilke

Leihe mir ein kleines Kätzchen...
Ich will dir ein kleines Kätzchen für eine Weile leihen
hat Gott gesagt.
Damit du es lieben kannst, solange es lebt
und trauern, wenn es tot ist.

Vielleicht für zwölf oder vierzehn Jahre,
vielleicht auch zwei oder drei
Wirst du darauf aufpassen, für mich,
bis ich es zurückrufe?

Sie wird dich bezaubern
um dich zu erfreuen
und sollte ihr Bleiben nur kurz sein,
du hast immer die Erinnerungen
um dich zu trösten.

Ich kann dir nicht versprechen, dass sie bleiben wird
weil alles von der Erde zurückkehren muss,
aber es gibt eine Aufgabe, die
dieses Kätzchen lernen muss.

Ich habe auf der ganzen Welt
nach dem richtigen Lehrer gesucht.
Und von allen Leuten, die die Erde bevölkern
hab ich dich auserwählt

Willst du ihr alle deine Liebe geben
und nicht denken, dass deine Arbeit umsonst war?
Und mich auch nicht hassen
wenn ich das Kätzchen zu mir heim hole?

Mein Herz antwortete
“mein Herr, dies soll geschehen”
Für all die Freuden, die dieses Kätzchen bringt
werde ich das Risiko der Trauer eingehen.

Wir werden sie mit Zärtlichkeit beschützen
und sie lieben, solange wir dürfen.
Und für das Glück, das wir erfahren durften
werden wir für immer dankbar sein.

Aber solltest du sie früher zurückrufen,
viel früher, als geplant
werden wir die tiefe Trauer meistern
und versuchen, zu verstehen.

Wenn wir es mit unserer Liebe geschafft haben
deine Wünsche zu erfüllen
in Erinnerung an ihre süße Liebe.
Bitte hilf uns in unserer Trauer

Wenn unser geliebtes Kätzchen
diese Welt voll von Spannung und Zwietracht verlässt,
schicke uns doch bitte eine andere bedürftige Seele
Um sie ihr Leben lang zu lieben.

Wenn die Kraft versiegt,
die Sonne nicht mehr wärmt,
dann ist der ewige Frieden eine Erlösung.

Wenn die Kraft zu Ende geht,
ist die Erlösung eine Gnade.

Wenn du an mich denkst,
erinnere dich an die Stunde,
in welcher du mich am liebsten hattest.


Schöne Fraun und Katzen
Joachim Ringelnatz

Schöne Fraun und Katzen pflegen
Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,
Weil sie weich sind
Und mit Grazie sich bewegen.
Weil sie leise sich verstehen,
Weil sie selber leise gehen,
Alles Plumpe oder Laute
Fliehen und als wohlgebaute
Wesen stets ein schönes Bild sind. Unter sich sind sie Vertraute,
Sie, die sonst unbezähmbar wild sind. Fell wie Samt und Haar wie Seide.
Allverwöhnt. - - Man meint, daß beide
Sich nach nichts, als danach sehnen,
sich auf Sofas schön zu dehnen. Schöne Fraun mit schönen Katzen,
Wem von ihnen man dann schmeichelt,
Wen von ihnen man gar streichelt,
Stets riskiert man, daß sie kratzen. Denn sie haben meistens Mucken,
die zuletzt uns andre jucken.
Weiß man recht, ob sie im Hellen
Echt sind oder sich verstellen? Weiß man, wenn sie tief sich ducken,
Ob das nicht zum Sprung geschieht?
Aber abends, nachts, im Dunkeln,
Wenn dann ihre Augen funkeln,
Weiß man alles oder flieht
Vor den Funken, die sie stieben. Doch man soll nicht Fraun, die ihre
Schönen Katzen wirklich lieben,
Menschen überhaupt, die Tiere
Lieben, dieserhalb verdammen.
Auch wer weder Katz noch Frau
Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen
Wenn sie beide schön sind, schauen. Doch begegnen Ringelnatzen
Häßlich alte Fraun mit Katzen,
Geht er schnell drei Schritt zurück,
Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
Engel schnurren
Edith Schreiber

Engel können als höhere Wesen,
selbstverständlich Gedanken lesen.
Was mich nicht weiter beeindrucken kann,
auch Katzen denken einander an.

Engel, das ist nicht zu bestreiten,
sehen in andere Wirklichkeiten.
Auch das erstaunt mich nicht unsäglich,
Katzen machen das tagtäglich.

Und Engel bringen, so wird erzählt,
bisweilen Erleuchtung, sofern sie wem fehlt.
Wer öfter mit seiner Katze spricht,
braucht zum Begreifen die Engel nicht.

Engel können dank guter Nerven
bei Bedarf einen Blick in die Zukunft werfen.
Das ist für Katzen auch nicht schwer,
sie wissen vieles auch vorher.

So sicher, wie Tiger brüllen und Tauben gurren,
haben Engel vier Pfoten und schnurren.
Auch haben Katzen den Engeln etwas voraus.
Man trifft sie öfters an zu Haus


Die Sphinx
Oscar Wilde

In einer Zimmerecke wacht, schon länger, als ich denken kann,
Die schöne Sphinx und schweigt mich an im Wechselspiel von Tag und Nacht.
Ganz ungerührt und unbewegt verharrt die finstere Gestalt.
Der Silbermond, der lässt sie kalt, selbst Sonnenschein sie nicht erregt.

Der Himmel rötet sich und bleicht, die Flut des Mondlichts steigt und sinkt.
Der Dämmerung es nicht gelingt und auch der Nacht nicht, dass sie weicht.
Die Zeit verrinnt, Nacht folgt auf Nacht, und immer noch die Katze träumt;
Mit sanften Augen , goldgesäumt, hält sie auf ihrem Teppich Wacht.

Sie ruht , ihr Katzenauge starr, und zu den spitzen Ohren drängt
Das Nackenhaar, mit gelb gesprengt; das braune Fell ist seidenzart....
Mein träger Liebling, komm heran, und leg' den Kopf mir in den Schoß,
Damit ich dir den Nacken kos' und deinen Samtleib streicheln kann....